Freundeskreis der FVM

An dieser Stelle möchten wir den Freundeskreis der FVM mit kleinen Portraits bekanntmachen, um das interdisziplinäre Netz zu skizzieren, in das wir eingewoben sind. Langjährige Begleiter unserer wissenschaftlichen und praktischen Umsetzungsarbeit stellen sich selbst und ihren Bezug zur FVM vor.

Die Portraits werden von Zeit zu Zeit ergänzt. Es lohnt sich also immer mal wieder vorbeizuschauen, um zu sehen, mit wem wir zusammenarbeiten und unsere Fragen erörtern und Erkenntnisse austauschen.

Dr. Gerhard Medicus

portrait dr medicusSeit 1988 bin ich Arzt für Allgemeinmedizin und seit 1994 Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Am Psychiatrischen Krankenhaus in Hall in Tirol leite ich die tagesklinische Abteilung.

Daneben habe ich seit 1990 zusammen mit Wulf Schiefenhövel und Margret Schleidt einen Lehrauftrag ››Einführung in die Humanethologie‹‹ der Universität Innsbruck und seit 1994 mehrere humanethologische Feldaufenthalte in Neuguinea (Trobriand), Indonesien (Ceram/Waru) und Namibia (Himba, Buschleute) durchgeführt.

In der Wahl dieser beruflichen Schwerpunkte drückt sich mein Interesse für menschliches Verhalten aus. Die erwähnten Disziplinen ergänzen sich, weil sie einerseits Verhaltensstörungen und andererseits Normalverhalten fokussieren. Es ist das groβe Verdienst von Gabriele Haug–Schnabel und Joachim Bensel, sich, wie ihr Lehrer Bernhard Hassenstein sehr konstruktiv mit beiden Bereichen auseinander zu setzen. Wie aber lässt sich das Vielerlei der humanwissenschaftlichen Ansätze und Ergebnisse (z.B. der Neurologie, der Verhaltensbiologie, der Psychiatrie und der Schulen der Psychotherapie; oder der Natur– und Geisteswissenschaften) in einer wissenschaftstheoretisch sinnvollen Weise zusammenführen?

Durch die Verbindung meiner psychiatrischen Tätigkeit mit den Erfahrungen als Forschungsassistent am Zoologischen Institut der Universität in Wien bei Rupert Riedl (1983–1985), als Teilnehmer am Altenberger Kreis bei Konrad Lorenz, als freier Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Humanethologie in der Max–Planck–Gesellschaft in Andechs bei Irenäus Eibl–Eibesfeldt, in meiner Vorlesung und durch meine Zusammenarbeit mit Gabriele Haug–Schnabel und Joachim Bensel ist mir bewusst geworden, dass der transfakultäre Umfang eines Themas sich dann erschlieβt, wenn anhand des Rasters der "Vier Grundfragen" (Verursachung, Ontogenese, Anpassungswert, Phylogenese) gefragt wird und zugleich die Komplexitätsebenen (z. B. Molekül, Zelle, Organ, Individuum, Gruppe) berücksichtigt werden, auf die Fragen nach dem menschlichen Verhalten gerichtet sind. Dadurch ergibt sich ein Orientierungsrahmen, dem alle Humanwissenschaften, ihre Fragestellungen und Ergebnisse zugeordnet werden können. Dabei zeigt sich, dass der verhaltenbiologische Ansatz breiter ist als etwa der klinische. Darüber hinaus ist er geeignet, die Bildung von Brücken zwischen Natur– und Geisteswissenschaften zu erleichtern. Für mich sind dies persönlich wichtige Gründe, diese verhaltensbiologischen Quellen des Fragens und Wissens zu nützen und der Anlass für meine Kontaktanbahnung mit den erwähnten Lehrern und Freunden, die, bei allem Detailwissen, mit den auf dem Orientierungsrahmen basierenden Voraussetzungen einer "Theorie der Humanwissenschaften" aufs Beste vertraut sind.

Mein wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Evolution des Verhaltens in Bezug auf die Groβsystematik: Hier habe ich zeigen können, dass das Prinzip des evolutionären Schichtenbaus von Konrad Lorenz (1973) nicht nur hinsichtlich kognitiver Leistungen nachvollzogen werden kann, sondern auch in Bezug auf andere Verhaltensbereiche: z.B. beim Umgang mit Ressourcen und Besitz, bei der Biopsychologie der Geschlechterdifferenz und dem Wesen der Humanität; nicht jedoch bei der psychomotorischen Entwicklung des Kindes im Sinne der biogenetischen Regel (Haeckel). Weil zwischen den mit dem Menschen verglichenen Tierarten groβe Unterschiede hinsichtlich der Hirnleistungen bestehen (etwa hinsichtlich der Komplexität, die von ihnen kognitiv bewältigt werden kann), wird durch diese Rekonstruktionen der Verhaltensphylogenese die Diskussion zum Tier–Mensch–Vergleich differenzierter; in allen Arbeiten habe ich versucht, die Sonderstellung des Menschen zu beschreiben.

Weitere Interessensgebiete und Beiträge beziehen sich auf Aspekte des Aggressionsverhaltens, Aspekte der evolutionären Medizin und Fragen zur Kulturethologie, z.B. die Verschränkungen von "Instinkt" und Kultur.

Vorlesungshomepage: http://homepage.uibk.ac.at/~c720126/humanethologie/
Email:  gerhard.medicus@tilak.at


Monika & Gerhard Oberstebrink (Oberstebrink Verlag, Ratingen)

Monika, Gina & Gerhard Oberstebrink17. April 2006

Liebe Gabi, lieber Joachim,

wir kennen uns jetzt seit gut neun Jahren. Gemessen ist das nicht sehr lange - aber gefühlt schon ewig. In diesen neun Jahren haben wir uns höchstens zehn- oder zwölfmal gesehen. Aber unsere Verbindung ist so gut, dass sie auch längere Pausen verträgt (die dann mit Telefon und anderen modernen Kommunikationsmitteln gefüllt werden).

Wir haben uns gefragt, was so eine gute Verbindung ausmacht. Fünf Dinge sind uns eingefallen:

  • Wir mögen uns (vom ersten Augenblick an).
  • Wir respektieren uns (menschlich und beruflich).
  • Wir arbeiten prima zusammen (Ihr als Experten, wir als Verleger).
  • Wir lernen laufend voneinander (interdisziplinär).
  • Wir haben immer Spaβ miteinander (wegen der Wellenlänge und so)

This having said, ein paar kleine Beispiel dazu:

Als wir uns das erste Mal sahen (in Deiner Studier- und Forschungs-Kemenate an der Freiburger Uni, liebe Gabi), erzählten wir Dir, dass wir auf der Urlaubs-Rückreise mit unserer damals gerade fünf Jahre alten Tochter Gina waren. Und Du fragtest sofort: "Und wo ist Ihr Kind jetzt? Etwa unten im Auto?"; Wir verstanden die Frage gar nicht. Aber Du sagtest, Du habest Eltern erlebt, die Dich konsultieren, während ihr kleines Kind unten im Auto sitzt. Wir konnten Dich beruhigen: Gina war gut aufgehoben. Sie wartete mit ihrer Omi im Hotel auf uns. Wahrscheinlich war das der Moment, in dem Du beschlossen hast, uns in Ordnung zu finden.

Bei der Arbeit an unserem ersten gemeinsamen Buch "Wie Kinder sauber werden können" haben wir von Dir, Gabi, gelernt, wie Wissenschaftler denken: "Wir sagen, wir haben ein Problem im Griff, wenn wir es definiert haben" erklärtest Du uns. Unsere Antwort: "Wir sagen, wir haben ein Problem im Griff, wenn wir es gelöst haben." Diese Erkenntnis bedeutete für Dich viel Arbeit. Denn Du musstest aus deinem Problem-Beschreibungs-Manuskript ein Problem-Lösungs-Manuskript machen. Noch heute haben wir den gröβten Respekt vor Dir, dass wir darüber nicht eine Sekunde lang diskutieren mussten. Du hast sofort gecheckt, was wir meinten - und Dich an die Arbeit gemacht. Der Erfolg gibt Dir Recht.

Dich, lieber Joachim, haben wir irgendwann mal gefragt, was das überhaupt heiβt: "Verhaltensbiologie des Menschen". Deine Antwort war genial einfach: "Was Konrad Lorenz für die Graugänse war, das sind wir für die Menschen." So lernen wir voneinander. Und ein bisschen fühlen wir uns seit dem wie Graugänse.

Lange vor unserem gemeinsamen Buch "Wie man Kinder von Anfang an stark macht" hat Eure kleine Anouk (damals 4 Jahre alt) uns vorgeführt, was es für ein Kind heiβt, von Anfang an stark zu sein. Als Moni sie mit den Worten begrüβte: "Hallo, mein süβes Schätzelein", konterte Eure Kleine: "Ich bin nicht dein Schätzelein. Ich bin die Anouk". Inzwischen ist sie älter und sieht das vielleicht etwas anders. Aber ihr Selbstbewusstsein damals war beeindruckend.

Von Dir, lieber Joachim, haben wir an einem ganz simplen Beispiel gelernt, wie unterschiedlich die verschiedenen Kulturen "ticken". In unserem gemeinsamen Buch "Was sagt mir mein Baby, wenn es schreit?" zeigst Du den Unterschied zwischen "etwas tun" und "etwas haben" auf: Wenn in Afrika ein Baby schreit, dann "tut" es etwas - nämlich schreien. Die Mutter nimmt es auf den Arm und lässt es ihre Nähe spüren. Nichts weiter. Wenn in Europa ein Baby schreit, dann "hat" es etwas. Die Mutter gerät in Stress, versucht herauszufinden, was ihr Kind "hat" - und gibt nicht eher Ruhe, bis ihr Kind nicht mehr schreit. Denn nur ein Kind, das nicht schreit, "hat" nichts. Wenn wir diesen kleinen Unterschied in den Denk- und Verhaltensweisen hochrechnen auf die groβe Politik, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass die Welt so ist, wie sie ist.

Es gibt sicher noch mehr Beispiele für unser gutes Miteinander und unseren ständigen fruchtbaren Gedankenaustausch. Wenn uns welche einfallen, fügen wir sie gern hinzu. Einstweilen belassen wir es einfach dabei: Wir sind froh über unsere Freundschaft.

Herzlichst, Eure Monika und Gerhard Oberstebrink

Homepage: http://www.oberstebrink.de/
Email:  verlag@oberstebrink.de